Ein Begriff, der seit jeher die Gemüter bewegt. Aber was genau ist Untreue? Wo beginnt sie – hat sie ihren Ursprung in Gedanken oder ist sie erst real, wenn die Handlung vollzogen ist? Ich möchte mich hier explizit mit der sexuellen Facette der Untreue beschäftigen.

 


Ein Faktencheck

Allgemein gilt, ein Mann oder eine Frau, der/die in aufrechter Partnerschaft/ Ehe lebt und sexuell mit einem/einer anderen Partner/in aktiv wird, ist untreu. Ist das bereits der Fall, wenn nur in der Phantasie sexuelle Handlungen mit anderen Personen imaginiert werden? Oder ist man untreu, wenn man sich emotional zu einem/einer anderen hingezogen fühlt und mit dieser Person Zeit verbringt ohne jemals, auch nur annähernd mit diesem/dieser sexuellen Kontakt zu haben?

Darauf gibt es keine klaren Antworten. Den Einen bringen schon die „untreuen Gedanken“ (sollten sie denn ausgesprochen werden) völlig aus dem Konzept, da sind andere noch ganz entspannt beim „Fremdküssen“. Es gibt kein Rezept. Jeder muss für sich Antworten finden, reflektieren, seinen Gefühlshaushalt kennen(lernen). Als Hilfsmittel kann man die Differenzierung in soziale, emotionale und sexuelle Untreue empfehlen. Das hilft als Leitfaden, um im Dschungel der Gefühle etwas mehr Ordnung herzustellen.

Um Untreue zu begreifen, bedarf es vielleicht auch einer Definition ihres Pendant – der Treue: Abgeleitet vom mittelhochdeutschen „triuwe“ heißt es, fest sein, sicher sein, vertrauen, hoffen, glauben, wagen. Einerseits also das Stabile andrerseits aber auch das Wagnis. Sie ist ein Bündnis der Loyalität, das auf gegenseitigem Vertrauen beruht und aktiv entschieden wird. Untreue ist der Bruch dieses Bündnisses, schenkt man den Definitionen glauben. Provokant betrachtet könnte man also sagen: Alle Menschen, die Fremd gehen sind einfach schwach (weich), unsicher, sie konnten nicht an sich halten und brachen damit den Schwur der Treue?! So einfach ist es meist bei genauerem Hinsehen nicht.

Die Liebe zum Verheimlichen

Es bleiben immer noch Fragen offen. Leisten auch jene Paare, die nicht vor dem Traualtar stehen ihren Schwur? Oder ist es einfach ein ungeschriebenes Gesetz, dass in unserem Kulturkreis Treue vorschreibt? Erklärt sich daraus, dass es nach wie vor unheimlich spannend ist untreu zu sein? Denn nichts wird so gern verheimlicht und ein riesen Aufwand gesponnen um ein G´spusi zu vertuschen.

Was wäre, wenn Treue keinen Wert mehr hätte – wenigstens in sexuellen Belangen, was wäre, wenn es völlig normal wäre, mehrere Sexualpartner parallel zu haben? In anderen Kulturkreisen immerhin gang und gäbe. Warum haben wir den hohen Anspruch an die Treue und damit an unsere Partner, nur um daran immer wieder zu scheitern? (die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache).

Interessant ist, dass wir uns Heime gestalten und dennoch auf Reisen gehen, wir lernen Nahrungsmittel zuzubereiten aber gehen gerne auswärts essen. Wir schätzen Abwechslung, zelebrieren den Tapetenwechsel, nur wenn es um Sex geht, dann schwingen wir nur allzu gerne die Moralkeule. Vor allem wenn es um unseren Partner, unsere Partnerin geht, bei uns selbst wären wir da schon verzeihlicher „kann ja mal passieren“. Nun, auch unserem Partner, unserer Partnerin „kann das mal passieren“ – da hieße es dann tolerant sein. Nur leider wird’s genau an diesem Punkt dann sehr eng – Verletzung, Krach, Mißstimmung, Schuldzuweisungen, Verurteilung und Scheidung stehen dann jedenfalls mitten im Raum.

Umgang mit Untreue

So manches Paar schafft die Kurve und erkennt sich in der Situation wieder, findet zurück zum Kern ihrer Verbindung, merkt wie zu viel Sicherheit und Stabilität das Pendel in die andere Richtung hat ausschlagen lassen. Buchstäblich und nachhaltig. Bemüht sich erneut um einander und nimmt nicht mehr als gegeben hin, sondern weiß erneut zu schätzen was man sich über Jahre erarbeitet hat und gibt dem Ganzen eine neue Note.

Andere scheitern, zerbrechen am Seitensprung und verlieren sich in Vorwürfen und verbittern am „sich verbeißen“. Klammern sich verzweifelt an etwas, das nicht haltbar ist. Leben ist Veränderung. Die Verbindung, die wir eingehen wird nach einigen Jahren nicht mehr dieselbe sein – geschätzt sofern es um Sicherheit geht, verdammt wenn Veränderung am Programm steht.

Der Trend bewegt sich derzeit mehr zum Ausweichen, was bedeutet, man legt sich lieber erst gar nicht fest und kann damit das Thema Treue einmal mehr und manchmal weniger elegant umschiffen. Frei nach dem Motto: „alles kann, nichts muss“ befreien sich Herr und Frau Österreicher vom ungeschriebenen Gesetz der Treue.

Ein Spannungsfeld die Treue, jeder will sie aber aktiv leben fällt oft so schwer. Jedenfalls ist Treue nichts, das von selbst passiert. Sie ist eine bewusste Entscheidung, die wir entweder für sie oder auch gegen sie treffen. Auch Untreue passiert nicht einfach, ist kein Hoppala sondern eine situative Entscheidung. Alle, die das erkannt haben und sie bewusst treffen, sich auf das Thema einlassen, wissen auch um die Sprengkraft und darum wird eben gerade die Entscheidung gegen die Treue so gerne unter den Teppich gekehrt, da allen durchaus bewusst ist welchen Schaden sie anrichten kann.

Ein Tipp: bleibt mit euren PartnerInnen in Kontakt zum Thema, sprecht regelmäßig auch theoretisch über diverse Szenarien. Behaltet die Treue und ihre unliebsame Schwester, die Untreue im Aug und seid euch eurer Handlungen gewahr. Es gibt nichts zu verurteilen, ihr selbst seid die Richter eures Lebens. Drum hütet euch, als Außenstehende zu verurteilen, nur auf Grund eines Moralkodex der ohne weiteres Hinterfragen bereits seit Generationen übernommen wird. Jeder kann selbst einmal in die Situation gelangen und dann sieht die Welt auf einmal ganz anders aus.



Text: Beate Janota
Bild: Fotolia

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