Wie wichtig ist Sex für eine erfüllte Beziehung und warum?

Bevor hier vom Wort Sexualität an sich schon alle ein Kopfkino bekommen möchte ich vorweg klarstellen, dass sich Sexualität vielfältig ausdrückt. Zärtlichkeit,  Berührungen, Verführung, Worte, Gefühle, …sind ebenso Teil wie Erregung, Lust und Geschlechtsakt.

Sexualität ist ein Grundbedürfnis des Menschen, wie Essen. Und wie beim Essen sind gewisse Grundlagen angeboren (Erregungsreflex vgl. Saugreflex beim Baby) und den Rest erlernen wir im Laufe unseres Lebens. Das Essen mit Messer und Gabel und auch das Kochen müssen wir lernen. Eine erfüllte Sexualität, auch gemeinsam mit einem Partner lernen wir ebenfalls.



Eine Partnerschaft ohne körperliche Nähe ist wie eine Partnerschaft ohne Gespräche. Sie kann funktionieren, aber auf Dauer werden einer oder beide unerfüllt und traurig sein.

Aber nicht nur innerhalb einer Partnerschaft ist Sexualität wichtig. Auch als Individuum gehört Lust, und liebevoller Umgang mit dem eigenen Körper zum Leben im Gleichgewicht dazu.

Was sind die häufigsten Probleme in der Sexualität bei Paaren?

Es gibt eine Vielzahl an Problemen, die Paare belasten können. Das sicher am Häufigsten auftretende ist Lustlosigkeit. Aber auch Schmerzen, Erregungsstörungen, Orgasmusprobleme und Vorlieben die nur schwer ins partnerschaftliche Miteinander integriert werden können sind Themen die Beziehungen ins Ungleichgewicht bringen können. Aber nicht nur die Partnerschaft an sich ist belastet, auch die betroffenen Personen leiden darunter oft sehr und glauben „gestört“ zu sein. Das beruhigende ist – da Sexualität wie erwähnt ein Lernprozess ist, kann auch auf diesem Gebiet „nachgelernt“ werden.

Welche Ursachen kann sexuelle Unlust haben?

Sexuelle Unlust kann eine Vielzahl an Ursachen haben. Allen voran Stress. Aber auch negative sexuelle Erlebnisse, Spannungen in der Partnerschaft, hormonelle Schwankungen, Schwangerschaft und Geburt, ungelöste emotionale Konflikte, Leistungsdruck, sittliche und/ oder moralische Schranken….. Oft sind Blockaden die Ursache, die einer freien Entfaltung der eigenen Sexualität im Wege steht.

Gibt es Unterschiede bei Frauen und Männern?

Natürlich gibt es Unterschiede bei Frauen und Männern – vor allem körperlicher Natur.
Der Mann ist in der Sexualität auf Geben ausgerichtet, die Frau auf Aufnehmen.

Männliche und weibliche Lust sind oft nicht synchron. Weder im Zeitpunkt noch in der Häufigkeit.
Auch an dem Spruch „Männer haben Sex um sich zu entspannen, Frauen wenn sie entspannt sind“ ist etwas Wahres dran. Ursache dafür sind die Hormone. Aber wir sind nicht unseren biochemischen Körperprozessen ausgeliefert, sie sind nur der Treibstoff, wir aber der Motor und die Steuerung.

Wie wichtig ist es, offen mit dem Partner über Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen?

Sehr wichtig. Aber bevor ich mit meinem Partner sprechen kann, muss ich wissen worüber – mich kennen. Wissen was will ich.
Und schon daran hapert es des Öfteren. Die Vorstellungen und Phantasien sind vielfältig aber oftmals vorgegeben von medialen Bildern. Es ist daher sehr wichtig herauszufinden, was gefällt mir, was bereitet mir Lust, wo ist mein Körper besonders empfindsam. Was mag ich gar nicht…und so weiter.

Das ist der erste Schritt.
Der Zweite ist es dann die Bedürfnisse in die Partnerschaft einzubringen und zu sprechen. Leider fällt das oft am Schwersten. Zum einen aus Gründen der Moral – wir leben in einer Kultur in der Sexualität immer noch tabuisiert ist.
Und wie dann dem geliebten Menschen Etwas sagen, dass ihn möglicherweise dazu bringt schlecht über mich zu denken?

Oft fällt es aber auch deshalb schwer weil gerade in diesem Thema die Emotionen sofort mit einbezogen werden. Wenn zB: ein Mann zu seiner Frau sagt: „Schatz ich esse heute auswärts“ wird sie in den seltensten Fällen denken:“Oh Gott er findet mein Essen nicht gut, mit mir stimmt Etwas nicht.“
Sagt er aber zu ihr „Schatz wie wäre es, wenn du einmal rote Spitzenunterwäsche tragen würdest?“ dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie denkt:“Gefällt ihm das was ich sonst trage nicht?“ oder „Warum will er auf einmal rote Spitzenunterwäsche, früher gefiel ihm alles wie es war…geht er etwa fremd? Bin ICH ihm nicht mehr gut genug?“
Und umgekehrt gibt es auch für Männer sehr viele Aussagen von Frauen die sie verunsichern und sofort ihren Selbstwert beleidigen.
Meist sind die Aussagen nicht so gemeint wie sie aufgefasst werden.

Es ist daher ungeheuer wichtig eine gute Gesprächskultur zum Thema zu entwickeln. Feinfühlig aufeinander eingehen und neugierig bleiben ist dabei eine wichtige Zutat.
Sonst kann schon ein misslungenes Gespräch die Lust nachhaltig dämpfen.

Warum fällt das oft so schwer?

Sex ist immer noch ein Tabuthema, trotz aller medialen Präsenz und Aufklärung ist in den heimischen vier Wänden das Thema noch mit Scham behaftet.

Noch ein Grund ist die fehlende Sprache dafür. Wir haben nur wenig bis gar keine Vorbilder wie man im häuslich-zwischenmenschlichen Bereich „richtig“ über das Thema spricht. Natürlich gibt es auch hier kein richtig oder falsch, aber man muss einen Weg finden, der es ermöglicht mit dem Partner/ der Partnerin über die erotisch/ sexuellen Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen ohne sich dabei gegenseitig auf den Schlips zu treten.

Das Thema sollte im besten Fall entmystifiziert werden. Nicht überall wo Sex drauf steht ist emotionales Chaos, Perversion oder Nymphomanie drinnen. Das kommt daher, dass das Wort SEX an sich bereits mit dermaßen vielen Bildern verknüpft ist, dass es schwer wird dieses Knäul zu entwirren.

Ein guter erster Schritt ist das Thema für sich persönlich zu definieren und in Ich-Botschaften dem Partner zu vermitteln – als persönliche kleine Welt.
Sexualität ist ganz banal genommen das menschliche Grundbedürfnis nach körperlicher Nähe und Zärtlichkeit, mit all seinen Facetten. Und das spielt sich im Spannungsfeld Körper, Seele, Psyche und Beziehung ab.
Da kommt es dann leider vor, dass ein geäußerter Wunsch sofort in die persönliche Betroffenheit führt und das wäre nicht notwendig.

Das Wichtigste ist den eigenen Weg zu finden und nicht dem nachzueifern, was irgendwo als DAS Highlight beworben wird.

Welches Potenzial liegt in der Sexualtherapie?

Das größte Potential sehe ich, dass man in „geschütztem“ Rahmen herausfinden kann wo die Belastungen und Hemmnisse liegen, diese können dann Schritt für Schritt ausgeräumt werden.

Allein das Schweigen zu brechen ist schon ein wesentlicher Schritt zur Erfüllung.

Wie anfangs erwähnt ist Sexualität ja etwas Lernbares. In der Therapie werden also Störaspekte überwunden, die Körperwahrnehmung verfeinert – was wiederum die Erlebnisfähigkeit steigert.
So kann sowohl die individuelle Sexualität als auch die partnerschaftliche zu neuer Erfüllung finden.

Wie läuft so eine Beratung ab? Was sind die Inhalte?

Es gibt Eingangs immer ein klärendes Erstgespräch in dem Ziele definiert werden und die Rahmenbedingungen besprochen werden.
Die Inhalte der Beratung sind so individuell wie die Personen die sie nutzen. Jeder Mensch hat seine ganz persönlichen Stärken und Schwächen und auf die gilt es feinfühlig und wertschätzend einzugehen. Auch wenn das Wort Therapie immer mit Krankheit assoziiert wird, so muss an dieser Stelle explizit erwähnt werden, dass der Beratungsansatz des „Approche Sexocorporelle“ nicht von Krankheit ausgeht.
Er geht davon aus die sexuelle Gesundheit (Definition der WHO:“ Sexuelle Gesundheit umfasst die Integration körperlicher, emotionaler, intellektueller und sozialer Aspekte des Sexualwesen Mensch im Sinne einer Bereicherung auf persönlicher Ebene wie auch von Kommunikation und Liebe) zu verbessern.

Wie können Paare ihre Sexualität nach einer Beratung/Therapie neu erleben?

Die sexuelle Entwicklung ist wie andre Lebensbereiche nie abgeschlossen. Sie verläuft wellenförmig von neu Entdecktem über das Festigen von bereits Gelerntem durch Wiederholen oder Zurückgreifen auf frühere Erfahrungswerte.
So gesehen sind die Spektren für Paare sehr vielfältig. Je nachdem was ihre Wünsche und Bedürfnisse sind.

Das Paar findet seinen ganz persönlichen Weg, entwickelt eine Sprache und kann dadurch Hemmnisse hinter sich lassen und das ganz persönliche Erleben verfeinern.

Ist Sexualtherapie auch für Singles ein Thema? Wenn ja: inwiefern?

Natürlich ist eine Beratung auch für Singles empfehlenswert. Denn der Mensch ist ein sexuelles Wesen und nicht an einen Partner gebunden um Lust zu empfinden. Vor allem dann wenn Probleme und Störaspekte vorhanden sind ist es jederzeit ratsam Beratung in Anspruch zu nehmen. Im Sexocorporelle geht es immer darum Fähigkeiten zu vertiefen und  neue zu entfalten. Um bei der Metapher des Essens zu bleiben – nicht alle Menschen können kochen – aber alle können es lernen!

 


Copyright und Text: Beate Janota
Fragen: Susanne Prosser – „Geschichtenwerk
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