Wer kümmert scih um was, und was können Stolperfallen werden?

Der Chef schreit den ganzen Tag herum. Der eigene Sohn hat Probleme in der Schule. Die beste Freundin ist sauer, weil man sich schon drei Wochen lang nicht gemeldet hat. Zuhause stapelt sich das schmutzige Geschirr gleichsam mit der dreckigen Wäsche. Stress und Frust kommen auf, den man gerne am eigenen Partner ablässt. Ist das Gefühl von Frischverliebt vergangen, kommt der Alltag und macht sich in der Partnerschaft unliebsam breit. Die meisten Paare unterliegen dann dem Glaubenssatz, dass alles von allein laufen soll: Wer kümmert sich heute um die Kinder? Wer macht den Haushalt? Wer plant den Urlaub? In meiner Praxis höre ich oft Sätze von Paaren wie: „Na das wird schon irgendwie…“ oder „Wenn es sein muss, dann läuft das schon…“. Auf mein genaueres Nachfragen, wer denn die nötigen Schritte setzt oder wie genau etwas umgesetzt werden kann, ernte ich lange Gesichter.

 

Vereinbarungen in der Partnerschaft

Einer der Hauptgründe, warum es in Langzeitbeziehungen kriselt ist, dass die Partner denken, die gewohnten alltäglichen Handlungen laufen von alleine. Was machen sie falsch? Sie kommunizieren zu wenig miteinander. Teilen einander nicht mit, welche Arbeit man selbst zu erledigen hat, welche Dinge derzeit anstehen, was geregelt gehört und sprechen sich zu wenig ab, wer welchen Part übernimmt. Es herrscht Chaos, wobei jeder sein eigenes Süppchen kocht und sich am Ende wundert, wenn der andere sauer ist, wenn es nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat. Das verursacht schließlich noch mehr Stress und Frust. Ein Teufelskreis. Dann lohnt es sich, einen genauen Blick auf die alltäglichen Abläufe zu werfen. Wer macht was? Wann? Wie oft? Ist es dabei zu einem Ungleichgewicht gekommen, muss verhandelt werden.

 

Beziehungen bauen auf mehreren Säulen auf. Eine davon ist die Bewältigung des ganzen organisatorischen Bereichs, in den neben der Berufswelt auch die Aufteilung der Hausarbeit, Finanzen, Freizeitgestaltung und Pflege der sozialen Kontakte fällt. Was in Firmen von mehreren Abteilungen mit akribisch ausgearbeiteten Plänen erledigt wird, sollte zu Hause wie von Zauberhand funktionieren. Daran beißt sich so manches Paar buchstäblich die Zähne aus. Eine große Stütze können dabei Vereinbarungen sein, die zwar etwas Mühe in der Erarbeitung machen, aber sind sie einmal da, tragen sie sehr viel zur häuslichen Harmonie bei.

Anbei meine Tipps für einen gelungen Alltag mit dem Partner. Sollte es trotz bestem Willen bei der Erarbeitung zu Dauerstreitereien kommen, lohnt es sich eine/n Paarberater/in eures Vertrauens aufzusuchen:

 

Tipps für den gemeinsamen Alltag

 

  • Reden – Sich bewusst Zeit nehmen, hinsetzen und miteinander reden, was einem am Alltag stört und wie man die alltäglichen Aufgaben untereinander aufteilen soll.

 

  • Wissen was man will – Nur wer seine Bedürfnisse kennt, kann auch darüber in Verhandlungen treten. Denn bin ich mir selbst im Unklaren über mein Wollen, kann ich leicht überrumpelt werden und das führt auf Dauer zu Unzufriedenheit.

 

  • Klare Kommunikation – Häufig stellen wir unsere eigenen Bedürfnisse hinten an und kommentieren das mit “Ach nicht so wichtig…“. Das führt zu Unklarheit bei unserem Gegenüber. Es lohnt sich, in klaren Ich-Botschaften zu dem zu stehen, was man will, das ist der Beginn des Verhandlungsprozesses, der dann Schritt für Schritt zu klaren Vereinbarungen erarbeitet wird. Die Basis ist Klarheit auf beiden Seiten, die auch so kommuniziert wird.

 

  • Stress belastet das ganze System, ausgewogenes Zeitmanagement und ein wohlwollendes Augenmerk auf die „Work-Life Balance“ können hilfreiche Entlastung bringen. Sowohl für das Individuum als auch für das ganze System. Zuviel an Arbeit braucht ein Gegengewicht. Muse-Stunden und Ruhe ebenso wie den körperlichen Ausgleich.

 

  • Kinder – so sehr sie auch unsere Herzen erfüllen, so tragen sie auch oft zum steigen unseres Stresspegels bei. Nein, Eltern sind nicht die all-inclusive Animateure ihrer Kinder, je nach Alter kann man die lieben Nachkommen auch mit in die täglichen Aufgaben einbinden und ihnen so wertvolle Dinge für die Zukunft lernen. Verantwortung übernehmen kann man nämlich nicht von heute auf morgen. Darum ist es gut sie altersgerecht zu fordern.

 

  • Sexualität ist oftmals ein empfindlicher Punkt, der bei außergewöhnlichen Bedingungen wie Krise in der Partnerschaft und/ oder Stress empfindlich zu leiden beginnt. Es ist dann das berühmte Zünglein an der Waage, dass das Fass endgültig zum Überfließen bringt. Der Lust Raum geben bzw. bewusst schaffen kann oft heilsamer sein als zu viel Reden. Regelmäßiger Körperkontakt auch abseits des Geschlechtsverkehrs stellen Verbindung und Verbindlichkeit zwischen den Partnern her.

 

  • Gelassenheit – auch bei bester Planung kann immer etwas passieren. Wie John Lennon so schön sagte: „Leben ist das, was passiert, während du etwas anderes planst.“ Nicht alles liegt in unserer Macht. Äußere Umstände verlangen oft ihren Tribut, da lohnt es sich eine innere Gelassenheit zu entwickeln. Sofern wir in unserer Partnerschaft eine vertrauensvolle Basis geschaffen haben, trägt sie uns über turbulente Zeiten gut durch. Es lohnt sich darum, die Arbeit der Vereinbarungen in Angriff zu nehmen. Auch wenn uns das immer wieder etwas Mühe kostet, in stürmischen Zeiten haben wir uns damit einen sicheren Hafen geschaffen.

 

 

 

 

Text: Beate Janota

Foto: fotolia

 

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