Warum ist die Ehe deiner Meinung nach aus der Mode gekommen?

Langsam aber sicher haben sich die Lebensmodelle verändert.
War vor einigen Jahrzehnten die Ehe noch das einzig Wahre, so steht heute eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Verfügung. Individuell kann Mann und Frau entscheiden wie er/sie zusammenleben möchte.

Ausgelöst wurde das sicher durch das beobachten der Elterngeneration, wo viele sahen, dass Glück zweitrangig ist und Funktionalität und Versorgung im Vordergrund standen. Das Ziel es anderes zu machen war die große Triebfeder. Glück und Liebe wurden über Versorgung und Sozialgemeinschaft gestellt.

 

Auf der Suche nach neuen Wegen muss man Versuch und Irrtum in Kauf nehmen und in diesem Wandlungsprozess befinden wir uns gerade. Auch Emanzipation und die Gleichstellung der Frau spielen hier eine große Rolle.

Aber ich glaube dass nach mittlerweile mehr als 40 Jahren Umbruch die Ehe gerade wieder einen neuen Frühling erlebt. Es ist wieder en vogue offiziell ewige  Liebe und Treue zu schwören.


Was kann eine Ehe in Zeiten der Singlegesellschaft symbolisch für die Beziehung bedeuten?


Es ist ganz wichtig, in Zeiten wo es nur noch die Regel gibt, dass es keine festen Regeln gibt, bewusste Entscheidungen zu treffen.
Die Ehe mit all ihren Vorbereitungen und rituellen Abläufen ist eine klare Aussage. Das ICH für das DU. Die Hochzeit macht uns offiziell zum WIR.

Die symbolische Bedeutung ist essentiell, denn heute wird nicht mehr aus Verpflichtung geheiratet, das Paar entscheidet sich freiwillig, weil es vertraut, hofft und liebt. Mit dem Schritt zeigt es seiner Umwelt WIR gehören ZUSAMMEN.

Ist Liebe alleine genug für eine erfüllte Ehe?

Nein. Die Liebe ist die Basis – sozusagen das tragende Fundament des Hauses Ehe. Wie andere Teams ist auch die Partnerschaft geprägt von vielen Faktoren. Kommunikation, Vertrauen, Zusammenhalt, Nähe - Distanz, Organisation um nur einige zu nennen. Nicht immer steht das Liebesgefühl alleine im Vordergrund. Wichtig ist immer wieder die Balance herzustellen zwischen den  vielen Gefühlen. Zufriedenheit erlangen wir durch Ausgeglichenheit der Emotionen. Auf die Gefahr unromantisch zu wirken, finde ich, dass fundierte Vereinbarungen sehr wichtig sind für eine glückliche Beziehung. Vertrauen baut sich nicht auf Nichts auf. Loyalität, Verantwortung und faire Aufteilung der Organisation und finanziellen Ressourcen sind ebenso wichtig und sind die tragenden Wände des Hauses Ehe.

Welche Ursachen führen meist zum Scheitern einer Ehe - und welche Lösungsstrategien gibt es dafür im Rahmen einer Paarberatung vorweg?

Eine der Hauptursachen ist Vernachlässigung.
Nicht zwangsläufig von der Person an sich – aber jedenfalls der zwischenmenschlichen Gespräche,  Zeit die miteinander verbracht wird und der Grundlagen der Höflichkeit.
In meiner Praxis höre ich oft – „Ich will“. Die Erwartungshaltung aneinander ist oft dermaßen überzogen und realitätsfern, das es zu einer dauerhaften Belastung der Beziehung kommt.
Geschädigt durch Hollywoodfilme  glauben viele, dass das Liebesgefühl ein Dauergast sein „muss“ und sobald dieses nicht spürbar ist, wird das schon als Scheitern interpretiert. Nicht selten führt das zu Außenbeziehungen und zum endgültigen Bruch.

Warum denkst du sind heute so viele Menschen Single?

Es mangelt an Kompromissbereitschaft. In einer Gesellschaft wo man vom elektronischen Gerät über das Auto bis hin zur Kleidung alles in der gewünschten Facon bekommen kann, möchte man beim Produkt „Partner“ eben auch nur beste Qualität.

Die Ansprüche sind gestiegen und die finanzielle Notwendigkeit eine Lebensgemeinschaft einzugehen schon lange nicht mehr gegeben.
Und warum die ganze Kuh kaufen wenn man nur ein Glas Milch möchte.

Auch schlechte erste Erfahrungen, gescheiterte Partnerschaften/ Ehen und Verletzungen machen es schwer das Herz vollständig zu öffnen um einem anderen Menschen darin Platz und Raum zu geben. Sicherheitsnetze werden gespannt und die Hintertürchen offen gehalten. Da ist aber der Anspruch  auf vollständiges „geliebt werden“ und man spürt instinktiv wenn der Partner sich nicht emotional öffnet, was oft zu einem frustrierten „Sich Abwenden“ führt. Letztlich führt das aber in eine Sackgasse – denn wer haben möchte sollte auch geben.

Zeit ist ein kostbares Gut das man sich nicht mehr schenken möchte – wenn nicht binnen kürzester Momente völlige Einigkeit besteht, wird der potentielle Partner wieder in den „Froschteich“ zurück befördert. Dabe übersieht man/ frau aber möglicherweise, dass ein Rohdiamant dabei war….

Welches Potenzial liegt in einer Paarberatung, insbesondere in deiner Ehevorbereitung?

Man muss zwischen Ehevorbereitung und Paarberatung einen kleinen Unterschied machen. Beiden Beratungen liegen jedenfalls zu Grunde, dass man sich pro Einheit mindestens 2 Stunden aktiv mit dem Thema beschäftigt. Leider leben wir in Zeiten die sehr von Zeitmangel geprägt sind und das wirkt sich auch auf das Privatleben aus.

Die Ehevorbereitung ist jedenfalls wie der Name schon sagt Vorbereitung. In 3 Einheiten zu je 2 Stunden macht das Paar eine Bestandsaufnahme der Partnerschaft, erarbeitet Regeln für den gemeinsamen Umgang und wirft einen Blick auf mögliche Krisen. Bei aller Liebe und Romantik beruhigt es, wenn man vorbereitet ist, sich an gemeinsam Absprachen anlehnen kann und weiß, dass man auch im Krisenfall aufeinander vertrauen darf. Auch unromantische Themen, die gerne ins Abseits gestellt werden können in dieser Zeit besprochen und nachhaltig geplant werden (Finanzen, Haushalt und Organisatorisches).

Paarberatung findet in der Regel statt, wenn die Krise bereits eingetroffen ist und das Paar in einem emotionalen „Negativkarussell“ fährt. Da hilft es oft eine unparteiische Person als Schiedsrichter zu haben. Die wertfrei neue Sichtweisen ermöglicht und dabei begleitet wieder sichern Boden unter die wankende Partnerschaft zu bekommen.

Auch wenn Paarberatung noch immer ein heikles Thema ist und ich oft höre – „Nein, das brauchen wir nicht, so persönliche Themen regeln wir alleine!“ kann ich jedem empfehlen diesen Schritt zu wagen. Sie sagen sich jetzt sicher – Na das muss sie sagen, ist ja ihr Geschäft ;-)

Das stimmt schon, aber ich sage, wann haben sie sich regelmäßig 2 Stunden Zeit genommen und ruhig mit ihrem Partner und ihrer Partnerin heikle Themen besprochen? Toll wenn sie es tun – gratuliere sie sind ein/ eine KönnerIN. Aber viele werden mir dabei zustimmen, dass das meist nicht der Fall ist und auch heikle Themen eher zwischen Tür und Angel besprochen werden und dann im Streit oder der Frustration enden.

Gönnen sie ihrer Beziehung die gleiche intensive Aufmerksamkeit die sie auch anderen Lebensthemen widmen!



Copyright und Text: Beate Janota
Fragen: Susanne Prosser – „Geschichtenwerk
Bild: Fotolia.at

 

KONTAKT

Beate Janota
 +43 (0)699 / 1 811 79 99
 beate@liebesambulanz.at

Praxis:
2540 Bad Vöslau
Hochstraße 23

www.liebesambulanz.at
www.erfolgsambulanz.at

   

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen Aktzeptieren