1. Wie haben Internet, iPad, Social-Networks & Co unsere Beziehungen verändert?

    Sehr – denn sowohl beruflich als auch privat könnten wir ohne diese Tools nie so schnell Kontakte herstellen. Was wie alles im Leben Vor- und Nachteile beinhaltet.

    Die gesellschaftlichen Normen und die Technologien sind einem laufenden Wandel unterzogen.
    Vieles passiert davon parallel.
    Die Wertigkeit von Beziehungen nimmt ab - die lebenslange Partnerschaft wird zum seltenen Sonderfall.
    Parallel dazu entwickelt sich die Informationstechnologie. Aber hat das eine mit dem anderen unbedingt zu tun ?
  2. Vieles von dem was wir jetzt bei Beziehungen kritisieren hat es schon lange vor dem Internet gegeben. Das Web beschleunigt diese Vorgänge nur extrem. Wo vor wenigen Jahren noch ein Partnerwechsel stattgefunden hat stehen heute bereits mehrere. Durch die Fülle an Bildern und Informationen zu Lebensgeschichten fällt es zunehmend schwerer herauszufiltern was für einen selbst das Beste ist. Die elterlichen Vorbilder werden beiseite gelegt und man macht sich auf die Suche nach neuen Lebensmodellen. Hinzu kommt, dass viele nicht mehr die Verantwortung für sich und ihr Leben übernehmen und keine bewussten Entscheidungen treffen.  Alles soll per Knopfdruck in sekundenschnelle funktionieren. Geduld ist verlernt worden, und das ist natürlich mit eine Schuld durch die Technik die wir tagtäglich anwenden.



  3. Sie sitzt mit dem Laptop auf der Couch, er daneben mit dem iPad: Macht uns das Netz & seine Begleiterscheinungen innerhalb einer Beziehung sogar einsamer?

    Nicht zwangsläufig, denn vergessen wir nicht den altbewährten Fernseher. Ich sehe im Gegensatz zum TV sogar den Vorteil, dass wenn das Paar tatsächlich nebeneinander, im selben Raum sich mit dem www beschäftigt, neue Kommunikationsinputs entstehen können. Sieht man fern will man in der Regel nicht dabei unterbrochen werden, da der Stream unaufhörlich weiterläuft, aber die Tätigkeit im Netz kann zu Gunsten eines Gespräches jederzeit unterbrochen werden – frei nach dem Motto. „Schau mal Schatz was ich gerade entdeckt habe…“

  4. Was veranlasst uns dazu ständig online sein zu wollen?

    Neben den ganz offensichtlichen Gründen wie Beruf, Information und Networking sehe ich vor allem die Ablenkung als Grund. Und die kann ein zweischneidiges Schwert werden. Einerseits hervorragend bei Liebeskummer und Einsamkeit, nachteilig wenn man vor Etwas oder Jemandem „abtauchen“ möchte und sei es vor sich selbst. Ein sekundär Grund ist auch Geltungsdrang – durch das viele „Mails checken“ erwecke ich den Eindruck wichtig zu sein. Viele Freunde in facebook machen mir Glauben ich sei beliebt oder gar etwas Besonderes…extrem sichtbar wird das bei Cyberspielen in anderen Welten – man schlüpft in eine andere Rolle hat besondere Fähigkeiten und wird zum Helden, das kann in eine Sucht führen. Dann wird die reale Welt gegen die Onlineworld getauscht.

  5. Alle paar Minuten die Mails checken, im Netz chatten,… - Welche Möglichkeiten gibt es aus dem Teufelskreis auszubrechen?

    Der erste Schritt ist das „sich bewusst werden“ das die Möglichkeit eines Überkonsums des www und eine Vernachlässigung der „real World“ besteht. Dann helfen klare Prioritäten, was muss sein, was kann ich warten lassen. Und was ist mir abseits der Cyberwelt wichtig, was möchte ich erleben und was kann ich aktiv dafür tun? Z.B. Freunde treffen bedeutet sich Termine auszumachen. Sport betreiben heißt sich aufzumachen in die Natur oder ins Fitnesscenter. Ich muss mich in die Welt bewegen und darf nicht vor dem Bildschirm darauf warten, dass die Welt zu mir kommt – obwohl es so scheint. Wenn man selber nicht mehr weiter weiss ist es in jedem Fall ratsam professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, das ist keine Schande sondern mutig und ein guter Schritt zum ICH.

    Praktische Tipps:

    • Zeitrechnung anstellen – wie viel Nettozeit verbringe ich vor dem PC, Spielkonsole, iPad und Co. (pro Tag, pro Woche) – jede Minute wird gerechnet.
    • Wie reagiert mein Umfeld auf mich – höre ich Sätze wie „Jetzt sitzt du schon wieder vor dem PC!“ oder „Hast du eigentlich noch etwas anderes im Kopf als deine elektronischen Spielgeräte?“ – und diese nicht abtun sondern gegebenenfalls nachfragen „Wie meinst du das?“
    • Schriftlich eine Plus – Minus Liste anlegen, was bringt mir der PC wo vergeude ich nur Zeit.
    • Ziele definieren – was möchte ich mit Facebook, Twitter, iPad und Co erreichen?

  6. Ihr Tipp für ein bewusstes Miteinander?

    Wie in allen Paarbelangen bin ich auch bei diesem Thema ganz klar für Vereinbarungen, sie erscheinen zwar auf den ersten Blick wenig romantisch sind aber im alltäglichen Zusammenleben sehr hilfreich. Damit meine ich aber nicht jene, die sagen: „Wenn ich 2 Stunden im Netz war, darfst du auch so lange surfen!“. Sondern „Wie wollen wir unseren Alltag mit der Nutzung des www gestalten, wann brauchen wir es unbedingt (vor allem beruflich) und wann wollen wir ganz bewusst darauf verzichten“. Es fällt uns partnerschaftlich nichts in den Schoß, auch wenn das in der anfänglichen Verliebtheitsphase oft so aussieht. Wir müssen in Verbindung zueinander bleiben und das erfordert ein „miteinander reden“.

  7. Oft sind Partner auf Facebook bewusst nicht miteinander befreundet: Beugt man so Missverständnissen vor oder schürt es nur mehr Eifersucht?

    Wenn die Ehrlichkeit dennoch im Vordergrund steht, dann sehe ich es unproblematisch, aber die Gefahr ist natürlich groß, dass der „ausgeschlossene“ Partner sich eben wie gesagt ausgeschlossen fühlt und das braucht eine sehr solide und stabile Partnerschaft um dann nicht Misstrauen zu erwecken. Wenn die Entscheidung zu diesem Schritt gut besprochen wird, und auch die Gründe dafür erläutert werden ist es sicher einfacher als wenn es ohne Worte so gehandhabt wird. Denn oft ist dann auch tatsächlich eine gewisse Neigung zur Geheimhaltung der Beweggrund – ein Hintertürchen sozusagen.


  8. Datet eine „Onlinerin“ einen „Offliner“ kann es zu vielen Missverständnissen kommen: Wie kann man diesen vorbeugen?

    Reden, fragen, zuhören…. ist die Zauberformel. Je besser ich meine Welt meinem Partner verständlich mache, desto besser kann man einander verstehen. Das gepaart mit klaren Vereinbarungen und einer großen Portion Liebe ist schon die halbe Miete. Das hört sich jetzt nach einem Rezept an und so in etwa funktioniert es auch, Voraussetzung ist immer, das ich auch a) weiß wer ich bin und b) weiß was ich will, dann kann ich ganz klare Informationen an meinen Partner weitergeben und Missverständnisse können so eingeschränkt werden. Darüber darf man natürlich nicht vergessen, dass beide Teile Infoweitergabe betreiben, daher müssen natürlich immer wieder Kompromisse eingegangen werden und damit wären wir wieder bei den Vereinbarungen. Geben und Nehmen sollen in Balance bleiben.

  9. Sollen innerhalb einer Beziehung klare Regeln aufgestellt werden was Internet, Twitter, Facebook,... – Konsum betrifft? Wenn ja, welche zum Beispiel?

    Vereinbarungen sind wichtig, und so auch beim Konsum des www. Vor allem die Zeitgestaltung ist wichtig zu planen. Wie bei allen Beschäftigungen die viel Zeit benötigen oder denen ein Zuviel an Zeit gewidmet wird ist es auch bei der Nutzung des Internets wichtig eine Balance zur Paarzeit herzustellen. Der Partner ist nicht einfach nur da, wie ein Besitz. Eine Partnerschaft muss gehegt und gepflegt werden und jeder Mensch benötigt ein Grundmass an Zuwendung, Aufmerksamkeit und Respekt.

    Praktische Tipps:

    • Zeiten festlegen in denen ganz bewusst auf den PC und das www verzichtet wird.
    • Termine ausmachen für Paargespräche bzw. bewusste Dates.
    • Klare Vereinbarungen wie Facebook, Twitter und Co in das Leben integriert wird und zu welchem Zweck.
    • Grenzen ziehen zwischen beruflicher und privater Nutzung.
    • Bei der Urlaubsplanung ebenfalls besprechen in wie weit elektronische Kommunikationskanäle benutzt werden.

  10. Eine Studie über Partneralternativen ergibt: Das Risiko der Scheidung ist dort am höchsten, wo die Menschen vielen anderen, möglichen Partnern begegnen. Viele Menschen setzen ihre Partnersuche heute fort, während sie bereits verheiratet/vergeben sind. Warum ist das so?

    Ich denke dieser Studie in punkto Scheidung muss noch ein Schritt vorgesetzt werden. Potentielle Partner begegnen uns jeden Tag auf der Straße, so gesehen wären wir dauernd in „Gefahr“. Die Schnelllebigkeit und die Hast sind ein großer Faktor, der schon bei der Partnerwahl eine große Rolle spielt. Ein Sprichwort besagt: „Darum prüfe wer sich ewig bindet“…wer prüft heute schon noch? Und wenn dann eher nach Optik, materiellen Beweggründen und dem Funfaktor. Andere Werte werden oft außer Acht gelassen. Dann beginnt ein Kreislauf, denn ist die erste Euphorie einmal abgeklungen finden wir uns auf einmal mit einem Partner wider der so ganz anders ist als es unsere Erwartungen erhofft haben. Wir sitzen unseren eigenen Phantasiebildern auf. Die Bereitschaft eine Beziehung aufzubauen ist nur noch wenig vorhanden, viele möchten zwar eine funktionierende Partnerschaft, wollen aber nichts mehr aktiv dafür tun. „Es“ soll funktionieren…

    Ein zweiter Grund ist, dass viele keine klare Entscheidung für den Partner treffen, sie entscheiden sich in Teilen für ihn, und lassen die negativen Eigenschaften außen vor, und hoffen insgeheim irgendwann doch noch einen besseren Wegbegleiter  zu finden. Und Besser ist meist nur Anders. Wir müssen sehr gut über uns selbst Bescheid wissen, was wir aushalten können, was uns angenehm ist und wo wir kompromissbereit sind und wo gar nicht. Dieses Wissen fehlt oft und die Entscheidung wird nur oberflächlich getroffen, ohne Tiefgang. Dann schleicht sich langsam aber sicher der Frust ein, die Kommunikation wird weniger und man ist nicht mehr nett zueinander und in so einem Gefühlschaos steckend ergreifen viele die Flucht, nicht sofort mit dem Beziehungsaus, aber beginnend mit der Suche nach dem Neuen – und da ist das www natürlich eine herrliche Plattform, ohne offensichtlich als abtrünnig aufzufallen kann man schon die Fühler ausstrecken. Wichtig wäre aber nicht die Suche nach dem Neuen sondern zuerst die Suche nach sich selbst mit der Frage „wer bin ich?“ und „was brauche ich?“ und dann die Suche nach dem „Du“- wer ist der Mensch an meiner Seite, was macht ihn aus und was verbindet mich mit ihm.

    Wir leben in einer Wegwerf-Gesellschaft – die Waschmaschine funktioniert nicht mehr so wie früher – gut dann kaufen wir eine neue. Kleidung wird nur wegen des veränderten Geschmacks weggegeben ohne, dass sie kaputt wäre – Reparieren ist out. Dazu kommt, dass alles wahnsinnig schnell geworden ist, Informationen jagen in sekundenschnelle durch die Welt, und alles kann binnen kürzester Zeit organisiert werden. Nur in Partnerschaften funktioniert das so nicht. Die Maschine Mensch tickt langsamer. Veränderungen im emotionalen Bereich benötigen Zeit, Geduld und Aufmerksamkeit. Zeit die sich niemand mehr nehmen möchte. Das Prinzip „Tauschen“ setzt auch hier ein. Statt sich mit dem einstmals geliebten Menschen und sich selbst auseinander zu setzen will man so schnell wie möglich das Neue, von dem man erwartet, dass es besser ist – dass es reibungslos funktioniert. Und da die Trennung/ Scheidung gesellschaftstauglich geworden ist wollen  „vorbereiten“ und halten auch in bestehenden Beziehungen alle Türchen offen – für den Fall der Fälle. Die Angst alleine überzubleiben ist hoch und ist unterlegt von negativen Geschichten im Umfeld.
    „In Guten wie in schlechten Zeiten“ ist zu einer Farce verkommen. „Sich-Binden“ ebenfalls. Um eine Partnerschaft zu führen bedarf es Vertrauen und genau das geht unter. In meiner Praxis sehe ich Pärchen die regelrecht Krieg gegeneinander führen, um ja nicht über zu bleiben wird alles hochgerechnet – wie viel Geld hat man investiert, wie viel Arbeit, und so weiter. Ich höre meistens von beiden Seiten „Ja, aber ich will…“ oder „Ja aber, er/ sie soll doch tun….“ – es wird gedroht, gezerrt und gezogen. Dadurch steigt der Leistungs- und Anforderungsdruck und Flucht-Ventile werden gesucht. Das ist ein Kreislauf den es gilt zu durchbrechen.

    Allerdings darf man dieses Verhalten nicht allein auf das Web schieben. Das ist eine gesellschaftliche Erscheinung die auch ohne PC floriert. Durch das Web wird’s nur noch einfacher und geht noch schneller. Man muss sich nicht extra Zeit nehmen um jemanden kennen zu lernen, bequem vom Bürostuhl aus oder direkt aus dem Wohnzimmer kann ich einen potentiellen Partner akquirieren – einem Versandhauskatalog gleichkommend. Aber der Partner ist eben kein Ding, kein Pullover oder eine Waschmaschine – er ist ein Mensch mit Träumen, Bedürfnissen, Gefühlen und Zielen. In einer Beziehung sind Fehler hilfreich, sie machen uns menschlich und geben uns Hinweise wo Handlungsbedarf besteht. Dann braucht es die Bereitschaft zur Kommunikation und den Mut neue Wege zu gehen und das bedeutet die Komfortzone verlassen zu müssen.

  11. Welche Vorteile bringt diese ständige Bereitschaft, das Internet für Partnerschaften mit sich? (Fernbeziehungen klappen besser, kurze Aufmerksamkeiten unterm Tag via SMS oder Mail, Online-Dating, …)

    Natürlich bringt dieses „Tool“ auch eine Menge Vorteile, die Infoweitergabe klappt schneller und direkter und wie angesprochen können dadurch natürlich auch Fernbeziehungen lebendiger gestaltet werden – via Skype und Videochat kann eine Nähe hergestellt werden die fast wie Real ist. Man darf aber das Bewusstsein nicht dafür verlieren, dass der persönliche Kontakt dennoch gehaltvoller ist. Mimik, Gestik, die körperliche Wahrnehmung, all das kann ein Chat nicht ersetzen. Denn auch miteinander Schweigen kann wundervoll sein, wenn man ganz bewusst die Nähe des Anderen auf allen Ebenen wahrnehmen kann, und all das ist über das www nicht möglich. Das Netz und alle damit verbundenen Kommunikationskanäle sind und bleiben einfache Werkzeuge und sind kein Ersatz für persönliche, menschliche Nähe.


  12. Und welche Nachteile bringt es?

    Die Erwartung der Omnipräsenz steigt – wenn nicht umgehend geantwortet wird, wird das oft als Desinteresse interpretiert. Eine Scheinkommunikation entsteht, durch das permanente „In-Kontakt-stehen“ glaubt man beim persönlichen Treffen es ist bereits alles gesagt und vergisst Wesentliches zu besprechen. Durch das andauernde „reden“ vergeht auch die Lust am Gespräch – der ganze Tag war bereits erfüllt mit kleinen und größeren Plaudereien über Mail, SMS und Chat und Abends möchte man nur noch seine Ruhe und die Partner schweigen sich an.


  13. Ein Blick in die Zukunft: Was kommt da noch auf uns?

    Ich sehe keine Dramatik in der Zukunft. Wir wachsen in diese neue Zeit hinein wie in alles was je entstanden ist. Jede Epoche hat ihre Errungenschaften an die der Mensch sich erst gewöhnen muss. Alles hat eine Hochblüte und fließt dann langsam in den normalen Alltag über, das übersteigerte Interesse sinkt. Das beobachte ich in allen Lebensbereichen. Natürlich gibt es die Extreme – jene Menschen, die die Nutzung des www generell ablehnen und jene die davon süchtig werden. Und diese Extreme sind es die wir beobachten sollten und auf die wir eingehen müssen. Wie alles im Leben ist auch hier der goldene Mittelweg der anzustrebende.

    Der Online-Hype beschleunigt unser Leben extrem – die Masse an zu verarbeitenden Bildern und Informationen ist kaum noch zu bewältigen und die Folgen sind bereits sichtbar. Burn-out ist kein Modebegriff mehr sondern an der Tagesordnung. So kann es nicht weitergehen. Jedes Zuviel kippt irgendwann ins Gegenteil, die Menschen werden sich bereits bewusst, dass das Web ein Werkzeug ist und treffen bereits Entscheidungen wie sie es nutzen wollen und sehr viele lassen bereits ganz bewusst im Urlaub Handy, PC und Co links liegen um zur Ruhe zu kommen und sich wieder auf das Leben pur zu besinnen. Meiner Meinung nach hat die Trendwende bereits eingesetzt und die Entschleunigung ist das neue Ziel. Aber unabhängig vom Online-Hype ist in punkto Partnerschaften noch viel zu begreifen – nicht umsonst gibt es Literatur zum Thema in Hülle und Fülle und an jeder Ecke Beratungsstellen. Ich wünschte die Liebe wäre wieder wichtiger als Macht und Egoismus.


  14. Gibt es aktuelle Zahlen, Daten zur Internetnutzung? (wer liest die Mails bereits im Bett, wer liest sie im Urlaub, wie oft wird getwittert,…)

    Sind Zahlen bei emotionalen Themen wirklich wichtig? Letztlich zählt nicht die Statistik sondern das was wir tun. Jeder Mensch sollte bewusst Entscheidungen treffen und Verantwortung für sein Leben übernehmen. Auch wenn 1000ende hundertmal am Tag ihre Mails checken ist das noch lange kein Grund das ebenso zu handhaben. Es muss zu meinem Leben passen und sich gut mit mir und meinen Lieben vereinbaren lassen, und da hilft mir keine Statistik der Welt, diese Entscheidung kann ich letztlich nur mit mir und den Menschen in meinem direkten Umfeld treffen.

    SEX

    Wenn im Bett gemailt, am Wohnzimmertisch gefacebooked, und während dem Kochen getwittert wird - enden wir dann alle früher oder später in einer sexuellen Depression?

    Wir landen nicht in einer sexuellen Depression, wir sind in einer und das bereits seit Jahrzehnten. Sex ist ein Tabuthema und die Scham bis heute nicht wirklich überwunden. Wenn also auf Teufel komm raus Ablenkung mit elektronischen Werkzeugen betrieben wird dann deshalb weil uns die Worte nach wie vor fehlen.

    Sexualität ist ein Grundbedürfnis des Menschen, das durch vielerlei Einflüsse in unserer europäischen Kultur vor allem durch die Religion systematisch beschnitten wurde.

    Der Online –Hype ist also nicht die Ursache sondern nur ein beschleunigendes Mittel.

    Im www wird gnadenlos enttabuisiert was in den Betten tot geschwiegen wird. Da wir aber sexuelle Wesen sind suchen wir nach Heilung und hoffen diese dort zu finden. Was wir aber finden sind Bilder die nicht der Wahrheit entsprechen. Moderne Pornos sind ebenso wie Models in Hochglanzmagazinen bearbeitet und gestellt und haben nur noch wenig mit dem natürlichen Sexualverhalten zu tun.

    Der Leistungsdruck steigt enorm sowohl für Männer als auch für Frauen, da geglaubt wird, so müsse es sein. Sexualität gehört zum Menschen und unterliegt individuellen Lernschritten und kultureller Entwicklung – schon Jugendliche können durch diese Flut an Bildern überfordert werden und finden ihre eigene Sexualität dadurch oft banal und ablehnenswert und ein negativer Kreislauf beginnt. Nicht mehr die eigene Erfahrung und das persönliche Erleben stehen im Vordergrund sondern der schnelle Konsum der virtuellen Bilder die zu einer orgastischen Entladung führen – die seelisch-körperliche Befriedigung bleibt aus und die Suche nach Heilung geht weiter.

    Kein Nachteil ohne Nutzen - Beginnend mit der freien Liebe und Gruppensexerfahrungen der 68er Hippie-Generation hält auch die sexuelle Revolution an. Offenes Ansprechen sexueller Fragen war davor nahezu undenkbar. Wie hat Mann Frau zu befriedigen - das Recht auf den weiblichen Orgasmus wurde erstmals in dieser Zeit thematisiert, ebenso  der Leistungsdruck durch die zunehmende pornographische Berieselung. Internet, Social Communities und Co. sind gleichsam der Höhepunkt einer mehrere Jahrzehnte langen Entwicklung. Single-Börsen, Sex-Börsen, Online-Shopping etc. ... erleichtern nur vieles und beschleunigen damit eine seit längeren Zeiträumen andauernde Entwicklung.

    * Wie kann durch den Online-Hype das Sexleben leiden?

    Aus vielerlei Gründen kann die Sexualität durch den Hype leiden. Einerseits durch den bereits erwähnten Leistungsdruck, zum Anderen weil online permanent Bilder und Videos abrufbar sind, die magisch anziehen wenn die Lust sich im Körper bemerkbar macht (oder war es umgekehrt?!). Anstatt den Weg der Kommunikation zu wählen und mit dem Partner/ der Partnerin über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen, sucht man die schnelle Befriedigung über das Netz. Was mit einem Paar passiert wo einer ständig Cybersex betreibt ist dramatisch, weil der andere Teil sich dadurch sofort persönlich abgewertet fühlt – bin ich nicht gut genug? Bin ich nicht begehrenswert…usw.? Nicht selten plagen  aber jenen der Cybersex intensiv betreibt auch Schuldgefühle und die Zweifel an der eigenen Normalität. Lustlosigkeit,  Erektionsprobleme und Beziehungsprobleme sind die Folge.

    Bilder sind eben doch nur kurzfristige erotische Stimmungsheber und nach der orgastischen Entladung bleibt Leere. Diese Bilder im Kopf können zu idealisierten Sehnsüchten führen die oft unbefriedigt bleiben.

    * Wie kann mit modernen Kommunikationsmitteln das Sex-Life aufgepeppt werden?

    Durch die Anonymität des Netzes können eigene Schamgrenzen überwunden werden. Ohne sich der Öffentlichkeit Preis geben zu müssen kann man sich informieren und so das sexuelle Spektrum erweitern. Wenn der Fokus auf der eigenen Wahrnehmung bleibt und man all die Bilder, Informationen, Filme etc. als Anregung versteht und dadurch die eigene Erlebnisfähigkeit, sei es jetzt alleine oder mit Partner steigern kann, so sehe ich das als große Errungenschaft. Letztlich sind der Kreativität der sexuellen Nutzung elektronischer Kommunikationsmittel keine Grenzen gesetzt, vorausgesetzt man beachtet, dass die Partner gleichberechtigt sind und beide wollen was sie tun.

    Sexueller Missbrauch und Kinderpornographie sind leider traurige Kapitel der Geschichte und auch diese schweren Themen erleben durch elektronische Kommunikationsmittel eine Beschleunigung wie viele andere Themen ebenso – aber auf die möchte ich an dieser Stelle bewusst nicht mehr eingehen – ich erwähne sie nur der Vollständigkeit halber.

    Summa Summarum kann ich nur sagen, dass sowohl auf Beziehungsebene als auch auf sexueller Ebene ähnliche Gesetze gelten. Eigenverantwortung, persönlicher Kontakt, körperliche Wahrnehmung und vieles mehr sind Dinge die das Web nicht ersetzen kann. Die Onlinewelt führt nur zu einer Beschleunigung der Prozesse und wirft uns letztlich doch wieder auf uns zurück. Wir müssen das Netz als Werkzeug begreifen, dass unser Leben bereichern aber ebenso negativ beeinflussen kann.


©Beate Janota

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Praxis:
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